Schneller sehen - gerade im Skisport
Scharf sehen alleine ist nicht das Wichtigste für den Sportler. Er muss auch räumlich und kontrastreich sehen können. Das geschieht nicht primär über das Auge, sondern über die Verarbeitung im Gehirn. Mit speziellen Übungen, dem Sports-Vision-Training, kann das "sportliche Sehen" langfristig verbessert werden.
Erstaunlich: 30 Prozent aller Sporttreibenden sehen bei der Ausübung ihres Sports ungenügend. Im Spitzensport ist der Anteil genau so gross.Vielfach ist den Betroffenen nicht bewusst, dass sie eine Sehschwäche haben. In den USA sind bei Spitzensportlern ausführliche Augenchecks längst üblich, in der Schweiz beginnt sich dieses Bewusstsein langsam zu etablieren.
Gerade im Skisport kommt der Sehkraft eine besondere Bedeutung zu. Ein Skifahrer oder Snowboarder muss blitzschnell auf räumliche Veränderungen und Lichtverhältnisse reagieren können. Wer aus einer schattigen Waldpassage in hohem Tempo in die Sonne fährt, muss sich sehr schnell an die Blendung gewöhnen können.
Gutes Sehen wird in verschiedenen Funktionen beurteilt:
- Die Sehschärfe, also die Fähigkeit, feine Details an einem Objekt wahrzunehmen.
- Das Fokussieren auf verschiedene Distanzen, eine Fähigkeit, die sich im Laufe der Jahre verringert.
- Konvergenz und Divergenz, also die Ein- und Auswärtsdrehung der Augen. Damit kann mit beiden Augen auf ein Objekt gezielt werden.
- Die räumliche Wahrnehmung. Die Verarbeitung der Seheindrücke beider Augen im Gehirn
- Das Kontrastsehen und die Anpassungsfähigkeit des Auges an sich ändernde Lichtverhältnisse. Doppeltsehen beim Fixieren eines Objekts.
- Zentral-Periphere Wahrnehmung, also die Wahrnehmung der Umgebung außerhalb des fixierten Bereichs und
- die Bilderinnerung. Das ist der Versuch, sich an möglichst viele Details zu erinnern, nachdem eine Situation nur für ganz kurze Zeit betrachtet worden ist.
Nur wenn das Gehirn Motorik und Sehen optimal verknüpft, kann man die Wahrnehmung auch in die richtige Bewegung umsetzen.
In Deutschland wird in den meisten Fällen nur die Sehschärfe des Auges korrigiert, was häufig ausreichend ist und viele Sehprobleme lösen kann.
Vor dem eigentlichen Visualtraining wird der Ist-Zustand mit verschiedenen Messungen ermittelt. Ein spezifisches Visual Training kann man erst nach einer ausführlichen Testserie beginnen. Danach werden vom Optometristen die individuellen Trainingsschritte ausgearbeitet. Eine Trainingseinheit dauert etwa ein halbes Jahr mit ca. 10 Sitzungen in der Praxis des optometristen.
Ein kleines Beispiel einer Sports-Vision-Übung:Versuchen Sie, von einem nahen Gegenstand in die Weite zu schauen und so schnell wie möglich ein Objekt scharf zu stellen, um dann sofort wieder auf den nahen Gegenstand zu fokussieren. Oder Sie folgen mit den Augen exakt einer Hauskante, ohne Augensprünge zu machen, stoppen an einer Ecke und fahren mit den langsamen Augenbewegungen weiter.
